Unsere Weinreise durch… Deutschland | Bremer Weinkolleg

Unsere Weinreise durch… Deutschland

Weinreise Lesezeit: 7 Minuten 2. August 2019

Geschichte und Rebsorten

Das Land mit einer langen Weingeschichte.

Das Land mit dem besten & teuersten Rieslingen der Welt.

Das Land der steilsten Weinlagen der Welt.

Das Weinland Deutschland gehört mit seiner 102.000 ha großen Rebfläche zu den kleineren Weinländern der Welt und unterteilt sich auf 13 Anbaugebiete. Die Produktion liegt bei circa 70% Weißwein und 30% Rotwein, jährlich werden in Deutschland 9 Mio. hl Wein produziert.

Die Römer haben schon um 50 v.Chr. mit den Bepflanzungen an der Mosel begonnen. Knappe 800 Jahre später spielte Karl der Große eine wichtige Rolle für die deutsche, aber auch europäische Weinbau-Geschichte. Einen weiteren wichtigen Schritt bei der Entwicklung des Weinbaus haben wir den Mönchen zu verdanken. Die Zisterziensermönche haben mit der Gründung von Kloster Eberbach im Rheingau eine 900 Jahre andauernde Weingeschichte gestartet. Der Weinbau hat sich seitdem immer weiter verbreitet und es entstanden gut bewirtschaftete Weinberge in ganz Deutschland.

Eine ganze Vielfalt der weißen und roten Rebsorten wird in Deutschland je nach Weinbaugebiet angebaut. Die absolute Weißwein Königin der Rebsorten, unser ganzer Stolz und unsere Visitenkarte in der Welt ist der deutsche Riesling.

1. RIESLINGE AUS DEUTSCHLAND

Diese hochwertige, weltweit hochangesehene und beliebte Rebsorte wird mit großem Erfolg und Leidenschaft seit 600 Jahren in Deutschland kultiviert. Die launische Rebe mit einem hohen Anspruch an das Klima und den Boden, aber auch an den Winzer, gedeiht am besten in steilen Lagen. Riesling Tradition wird vor allem im Rheingau und an der Mosel großgeschrieben.

An der Mosel finden Sie auch einen der steilsten Weinberge der Welt. Der Calmont mit seinen bis zu 65° Steigung bringt in kleinsten Mengen einen sehr außergewöhnlichen Riesling hervor.

Riesling wird auch der Jahrhundertwein genannt, denn die edlen, süßen Rieslinge wie Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese sind mehrere Jahrzehnte lagerfähig. Auf der Jungfernfahrt der Titanic befand sich, neben weiteren Rieslingen von der Mosel, der komplette Jahrgang von Josephshöfer Monopol Riesling vom Weingut Reichsgraf von Kesselstadt an Bord. Schon damals hat man deutschen Riesling sehr geschätzt und es wurde viel Geld dafür gezahlt. Es gibt unter ihnen Raritäten, die bei Versteigerungen einen Preis pro Flasche des deutschen Rieslings von über 15.000 € und mehr erzielen.

Im 19. Jahr­hun­dert zählten die deutschen Ries­lin­ge aus dem Rhein­gau zu den teu­ers­ten Wei­nen der Welt. Riesling ist unglaublich vielfältig, er ist schon immer zeitlos modern, attraktiv, begleitet spielerisch ein ganzes Menü und eignet sich für die besonderen Momenten im Leben genauso gut wie für den Alltag. Der goldene Tropfen im Glas duftet meist fruchtig, nach reifen Äpfeln, zeichnet sich durch eine lebendige verspielte Säure aus und bleibt noch lange am Gaumen. Trocken, halbtrocken oder süß, stets gut gekühlt bringt Riesling immer viel Spaß und Genuss.

Auch für die Schaumwein Produktion eignet sich Riesling ganz hervorragend. Daher gibt es viele Goldmedaillen und Auszeichnungen für Riesling Winzersekt in fast allen deutschen Weinbaugebieten.

 

2. SPÄTBURGUNDER AUS DEUTSCHLAND

Der König der roten Rebsorten ist in Deutschland der SPÄTBURGUNDER oder PINOT NOIR.

Er zählt zu den ersten aus Wildreben entstandenen Rebsorten in Europa, möglicherweise gibt es Spätburgunder schon seit 2000 Jahren. Und es waren wieder die Zisterzienser Mönche, die ihn schon im 13. Jahrhundert ins Rheingau brachten. Im Kloster Eberbach wurde er geschichtlich das erste Mal erwähnt.

Spätburgunder gehört zu den spät reifenden Rebsorten. Auch er hat sehr hohe Ansprüche an die Lage und an den Boden. Er gedeiht am besten in tiefgründigen, fruchtbaren Böden. An der Ahr, die als das größte geschlossene Rotweingebiet in Deutschland gilt, wird Spätburgunder auf 62% der Rebfläche angebaut. Steil­la­gen mit wär­me­spei­chern­den Schie­fer­ver­wit­te­rungs­bö­den bieten ihm optimale Bedingungen. Spätburgunder Rotwein verfügt traditionell über eine hellrote Farbe, der Wein duftet fruchtig nach roten Beerenfrüchten und Kirschen, schmeckt dabei samtig und vollmundig. Selbstverständlich eignet sich Spätburgunder auch für den Holzausbau oder Ausbau im Barrique. Nach einer solchen Reife kommen vielschichtigen Aromen dazu, häufig duftet er zart nach Vanille, Gewürzen und Mandeln.

Zusätzlich entstehen aus dem Spätburgunder in Deutschland wunderbare Rosé Weine und Spezialitäten wie z.B. der Spätburgunder Weißherbst. Für die Champagner Produktion ist er ebenfalls eine der wichtigsten Rebsorten und im Burgund zählt er zu den teuersten Rotweinen. Auch im Bordeaux ist Spätburgunder für die Rotwein Cuvées unverzichtbar. Weltweit ist Spätburgunder auf Platz 10 der meist angebauten Rebsorten.

Die 13 Weinbaugebiete Deutschlands

Weine aus Rheinhessen

Rheinhessen ist mit knapp 27.000 ha das größte Anbaugebiet Deutschlands.

Die Rebfläche teilt sich auf 70% Weißwein und 30 % Rotwein auf. Die Böden bestehen aus Ton, Löss und Mergel. Angebaut wird hier überwiegend Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner, Grauburgunder und roter Dornfelder, Spätburgunder und Portugieser. Rheinhessen wird von knapp 3000 Weinbetrieben bewirtschaftet. Die Winzer sind für Dynamik und junge Talente bekannt. Im Jahr 2000 wurden im Weinguide Gault & Millau 38 Betriebe ausgezeichnet, 2015 waren es bereits 109 Betriebe.  Das Image Rheinhessens hat sich in letzten 20 Jahren zum Positiven verändert. Junge Winzer haben sich zusammengetan und eine qualitätsbewusste Botschaft mit dem passenden Namen „Message in a Bottle“ ins Leben gerufen. Zwei Prinzipien werden hier verfolgt: Spitzenqualität im Glas und Spaß am Wein.

Unsere Winzer aus Rheinhessen:

Weine aus Baden

Das Burgunder Paradies Deutschland, gilt mit 15.900 ha als das drittgrößte Weinbaugebiet. 

Die bestockte Rebfläche teilt sich auf ca. 60% Weißwein und 40% Rotwein. Auch hier herrscht mediterranes Klima und die Trauben werden hier viel von der Sonne verwöhnt. Baden erstreckt sich mit einer Länge von 400km von Heidelberg im Norden bis nach Basel im Süden. Baden beinhaltet viele unterschiedliche Landschaften und deshalb finden wir dort auch eine ungewöhnliche Vielzahl an Bodenarten. Die Böden bestehen aus vulkanischem Gestein, Granit, Gneis, Keuper aber auch aus Lehm und Muschelkalk. Die führenden Rebsorten sind Spätburgunder, Grau- und Weißburgunder, Müller-Thurgau, Riesling und Gutedel.

Unsere Winzer aus Baden:

Weine aus der Pfalz

Mit knapp 24.000 ha ist die Pfalz das zweitgrößte Anbaugebiet Deutschlands

Die Anteile an Weiß- und Rotwein sind wie in Rheinhessen. Die Böden bestehen aus Buntsandstein, Kies, Löss und Kalk. In der Pfalz wird vor allem Riesling, Müller-Thurgau, Grau- und Weißburgunder angebaut, bei den roten Rebsorten liegen Spätburgunder, Dornfelder und Portugieser auf den vorderen Plätzen. In der Pfalz herrscht ein fast mediterranes Klima, welches mit 1.800 Sonnenstunden im Jahr für sehr milde Durchschnittstemperaturen verantwortlich ist.

Aus diesem Grund nennt man die Pfalz auch zu Recht „Toskana Deutschlands“. Es gedeihen seit langem auch südliche rote Rebsorten und deshalb verfügt die Pfalz über eine ausgesprochene Vielfalt an Weiß- & Rotweinen.  Rund 9.000ha Rebfläche gehört den roten Rebsorten und ist daher die größte Rotwein Fläche Deutschlands. Im Norden grenzt die Pfalz an Rheinhessen, über den Rhein liegt Baden und südlich schließt die Pfalz direkt am Elsass an. Der größte Weinbaubereich Deutschlands ist bekannt unter dem Namen Südliche Weinstraße. Neben den wunderbaren Weinen gedeihen hier auch Feigen, Zitronen und Olivenbäume.

Unsere Winzer aus der Pfalz:

Weine aus Württemberg

WÜRTTEMBERG ­– hat ca. 11.300ha bestockte Rebfläche, die sich auf 70% Rotwein und 30 % Weißwein aufteilt und als ein klassisches Rotweingebiet Deutschlands gilt.

Die Bodenbeschaffenheit setzt sich aus Muschelkalk, Keuper, Lehm und Ton zusammen. Die wichtigsten Rebsorten in Württemberg sind Trollinger, Lemberger, Schwarzriesling, Spätburgunder und Riesling. Die Weinlagen liegen zwischen den Flüssen Necker, Rems und Zaber. Württemberg ist für seine zahlreichen Winzergenossenschaften bekannt. Die Tradition überzeugt mit hohen Qualitäten, die zunehmend an den internationalen Märkten ankommen.

Unsere Winzer aus Württemberg:

Weine von der Mosel

Das älteste Weinbaugebiet Deutschlands, das Königreich des Rieslings!
Die Rebfläche war bis zum Jahr 2003 auf drei Gebiete aufgeteilt. Die Gebiete waren nach den Flüssen Mosel, Saar und Ruwer benannt. Heute umfasst Mosel ein knapp 9000ha großes Gebiet. Die Bodenbeschaffenheit besteht vor allem aus Schiefer, Sandstein, Lehm und Muschelkalk. Außerdem wird hier wird zu ca. 90% Weißwein angebaut, davon 62 % Riesling. Müller-Thurgau, Elbling, Weißburgunder und roter Spätburgunder sind darüber hinaus vertreten. Mosel ist bekannt und berühmt für seine Steillagen, die Arbeit im Weinberg ist für jeden Winzer stets eine Herausforderung und fordert absolute Konzentration und viel Handarbeit und Muskelkraft.

Warum sind die Rieslinge von der Mosel berühmt und sehr beliebt? Der Riesling ist zwar unterschiedlich im Geschmack, aber die Stilistik ist unverkennbar. Ein Riesling von der Mosel hat immer eine straffe Struktur, ist federleicht mit niedrigem Alkoholgehalt und brilliert mit einem spannenden Süße-Säure-Spiel.

Unsere Winzer von der Mosel:

Weine aus dem Rheingau

RHEINGAU gilt mit seiner 3.200ha großen bestockten Rebfläche seit Jahrhunderten als das bekannteste und berühmteste Anbaugebiet Deutschlands. In der Stadt Hochheim gab es sogar einen Weinberg, der seinerzeit Königin Victoria gewidmet worden ist. Natürlich gehören nicht nur die Hochheimer Weine zur Spitze. Das Rheingau beginnt am Untermain südlich von Wiesbaden und verläuft rechtsrheinisch bis Lorchhausen nördlich von Rüdesheim am Rhein. Die Böden bestehen aus Schiefer, Quarzit, Buntsandstein und Ton.

Die wichtigsten zwei und meistangebauten Rebsorten sind das Königspaar Riesling zu 80% und der Spätburgunder zu 20%. Ein sehr wichtiger Mann, ein Winzer, Visionär und Pionier für das Qualitätsmanagement, war in den 1980er Jahren Bernhard Breuer. Er hat dafür gesorgt, dass das Rheingau das allererste Weinbaugebiet in Deutschland war, in dem die klassifizierten Lagen ausgewiesen worden sind. Dieses Qualitätssystem hat die ersten Gewächse erschaffen und damit kompromisslos die Betonung auf die Herkunft eines Weines gelegt.

Unsere Winzer aus dem Rheingau:

Weine von der Nahe

Die Nahe ist mit 75% Weißwein und 25% Rotwein Anteilen ein weiteres Weißweingebiet Deutschlands.

Auf ca. 4.200ha bestockter Rebfläche wird zu 28% Riesling angebaut, aber auch Müller-Thurgau, Grau- und Weißburgunder sind vertreten. Von den roten Sorten sind Dornfelder und Spätburgunder präsent. Die Bodenbeschaffenheit besteht aus Sand, Ton, Lehm, Mergel und Schiefer. Dieses Anbaugebiet wurde erst in den 1970er Jahren als eigenständig definiert, davor sind die Weine von der Nahe als Rheinweine auf den Markt genommen worden.

Unsere Winzer von der Nahe:

Weine von der Ahr

Die Ahr ist eines der kleinsten Weinbaugebiete Deutschlands, aber ein bedeutendes Rotweingebiet.
Gerade einmal 563 ha bestockte Rebfläche teilen sich auf 80% Rotwein und 20% Weißwein auf. Die Ahr fließt als ein Nebenfluss vom Rhein in das Ahrtal. Genau dort herrscht ein perfektes Mikro-Klima und auf den Böden, die aus Schiefer, sandigem Lehm und Grauwacke bestehen, gedeihen Rotweine perfekt.

Die meist angebauten Rebsorten an der Ahr sind Spätburgunder, Frühburgunder, Portugieser und Riesling. An der Ahr wird ausschließlich per Hand gearbeitet. Die bizarren Felsen der Berglandschaft, steile Lagen und sehr enge Wege machen es unmöglich maschinell zu arbeiten. So gedeihen die sonnenverwöhnten Rotweine auf dem Schieferboden und bringen einen einzigartigen Charakter und Geschmack ins Glas.

Unsere Winzer von der Ahr:

Insgesamt gibt es 13 Weinbaugebiete in Deutschland. Die, die wir noch nicht genannt haben, sind Franken, Saale-Unstrut, Sachsen, Mittelrhein, und die hessische Bergstraße.

Unsere Autorin

Radka Pölking, Sommelière IHK und Weindozentin

Langjährige Erfahrung in der Sternegastronomie, sowie die Liebe zum Wein haben ihren beruflichen Weg geprägt. In der Nähe von Prag geboren, begann Sie ihre Karriere 1995 in Hamburg bei DASA Airbus mit dem Service für internationale Staatsgäste. Danach führte sie ihr Weg unter anderem in das berühmte Privathotel Lindtner in Heimfeld. 2004 zog es Radka Pölking in die weite Welt auf ein Kreuzfahrtschiff bei der Rederei Happag Lloyd, um im Anschluss direkt auf dem Hamburger Süllberg ins Gourmet Restaurant Seven Seas, 2 Michelin Sterne ihren Werdegang fortzusetzen. 2010 folgte in Hamburg der Besuch der Deutschen Wein- und Sommelier-Schule, den sie mit der Prüfung zur IHK-geprüften Sommelière erfolgreich absolvierte. Heute ist sie eine erfahrene Weinkennerin und renommierte Weindozentin.

Das könnte Ihnen auch gefallen …

Unsere Weinreise durch… Frankreich

Herzlich Willkommen zu unserer Weinreise durch Frankreich. Eine lange Tradition und bedeutende Geschichte – das gilt selbstverständlich auch für den […]